Gastgemurmel

Montag, 27. September 2004

Die Berner Schule

Wer zur Touristenzeit im Kanton Zürich lebt, wird sicherlich feststellen, dass ein paar mehr Leute scheinbar sinnlos durch die Stadt irren. Aus meiner Schulzeit kann ich mich jedoch daran erinnern, dass die Sommer in Bern doch zumindest für Berner Verhältnisse etwas ungewöhnlich ausfielen. Wenn ich einmal nicht in Thun zur Schule sondern in Bern auf Arbeit gegangen bin, war diese Ungewöhnlichkeit doch recht heftig zu spüren.
Früh am Morgen verliess ich stets meine kleine Wohnung im Gwatt, um den Bus zum Bahnhof zu nehmen. Meist begegnete ich dabei eine Gruppe von Touristen, die den Thunersee suchten. Ich verwies sie auf die Wasseransammlung einige wenige Meter südlich meines Hauses. Die Touristen nach Spiez verwies ich auf den Bus. Natürlich versäumten es die Touristen im Bus nicht, mich zu fragen, ob das auch wirklich der Bus zum Bahnhof bzw. auf Steffisburg sei.
Am Bahnhof angelangt dirigierte ich dann meist die Touristen in Richtung Brig und Mailand auf die Züge nach Süden, die Touristen in Richtung Zürich und Luzern auf den Intercity nach Romanshorn, die Touristen nach Basel auf den Intercity in ebendieses, und die, die das Schloss Münsingen besichtigen wollten, verwies ich auf die S3 nach Fribourg.
Nachdem ich die Touristen im Zug davon überzeugt hatte, dass dieser Intercity wirklich auf Bern und Romanshorn fuhr und man auf Basel nur umsteigen musste, und nachdem ich einige 20min verteilt hatte, war ich dann doch froh als der Zug mit seinem üblichen speziellen Geräusch im Bahnhof Bern einrollte.
Schnell wies ich die Passagiere ihren Gleisen zu, dann eilte ich hinab in den RBS-Bahnhof um die Linie J nach Zollikofen nicht zu verpassen. Ich erklärte den Touristen, wo sich der Zytgloggi befunden hatte, wo sie das Bundeshuus finden, und wo die Matte. Ich wies darauf hin, dass die Aare am Besten über die Treppen zu erreichen sei. Dann sprang ich in Worblaufen aus dem Zug, verwies die Leute in alle Richtungen und hastete in das Swisscom- Gebäude. Endlich Ruhe.
Wenn ich dann nach erledigter Arbeit, abgespannt von einem harten Arbeitstag, wieder dieselbe Prozedur rückwärts erlebte, wusste ich nur noch eine Antwort:
"Je ne sais pas, je suis touriste!"

Montag, 22. März 2004

GastgemurmelZiviler Ungehorsam

heute:
sich weigern, die lebensmittelpreise in der schweiz für "noch gerade anständig" zu halten.

Donnerstag, 11. März 2004

"Das ist der Hammer!"

Seit knapp einer Woche ist die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland Bühne für ein schlechtes Schauspiel. Unfreiwillige Statisten: Pendler und Bewohner der Grenzregion, denen die Fahrt nach Deutschland jetzt mit Staus und langen Wartezeiten vergällt wird.

Bislang konnten sich Reisende Richtung Norden mehr oder weniger darauf verlassen, dass deutsche Grenzbeamte die Hand eher zum Gruß denn als Signal zum Anhalten hoben. Damit, so der zuständige Amtsleiter in Weil am Rhein, sei es jetzt für alle Zeiten vorbei. Eine Dienstanweisung des Berliner Innenministeriums habe klargestellt, dass die Schweiz jetzt so behandelt werde, wie andere Länder jenseits der Schengen-Grenzen: Ohne Blick in den Pass läuft nichts mehr. Wer mal gesehen hat, wie weit sich schon an "normalen" Grenztagen der Verkehr auf schweizer Autobahnen zurückstaut, bekommt eine Ahnung, wie es dort heute zu Spitzenzeiten aussieht.

Betroffen von den Maßnahmen sind neben Pendlern beidseits der Grenzen auch die Regionen auf deutscher Seite, deren Handel zu guten Stücken von Schweizern abhängt. Niedrige Preise im Vergleich zur Hochpreisinsel haben seit Jahren einen beständigen Einkaufsverkehr etabliert, der nun an seiner empfindlichsten Stelle getroffen ist: dem unkomplizierten Grenzübertritt.

Über die wirklichen Gründe der neuen deutschen Gründlichkeit wird derweil lustig spekuliert. Während die Behörden in Berlin und Weil auf europäische Normalität verweisen und die Proteste nicht recht nachvollziehen wollen, fühlen sich die Schweizer vielfach mit Blick auf die
schwierigen Verhandlungen über ein bilaterales Zinsabkommen erpresst. Dass die deutschen Grenzer mit ihren Kontrollen nicht eben auf geschmuggelte Gummibärchen oder schweizer Schokolade sondern eher auf Bargeld und Bankpapiere zielen, ist seit langem ein offenes Geheimnis.

Immerhin haben die umfangreichen Proteste der beiderseitigen Grenzanwohner erste Reaktionen zur Folge. Nachdem die regionalen Grenzschutzbehörden zunächst ankündigten, die Kontrollen würden beibehalten, aber mit mehr Beamten durchgeführt, verlautete aus dem Berliner Innenministerium, die Kontrollen seien nunmehr komplett auf den alten Standard zurückgefahren worden. Der Wirklichkeit an der Grenze scheint das noch nicht zu entsprechen, denn von dort wird nach wie vor von langen Staus und Wartezeiten berichtet.

Donnerstag, 12. Februar 2004

Neues Wahrzeichen von Romanshorn

Im Zusammenhang mit der Modernisierung des Bahnhofs Romanshorn hat der Gemeinderat beschlossen, auch den Bahnhofplatz neu zu gestalten.

Die Kunstkommission erteilte an fünf eingeladene Künstler und Künstlerinnen einen Studienauftrag zur Erlangung von Vorschlägen für die künstlerische Ausgestaltung des Bahnhofareals/Platz, Halle und Unterführung. Schlussendlich wurde das Projekt von Com&Com (Markus Gossolt und Johannes M. Hedinger) zur Ausführung vorzuschlagen.

Das Projekt „Mocmoc“ von Markus Gossolt und Johannes M. Hedinger umfasst neben dem Mocmoc Denkmal ein gross dimensioniertes Wandbild in der Personenunterführung. Das Mocmoc ist ein Fabelwesen, das entsprechend der neu geschaffenen Legende dem Fischerdorf den Namen gegeben haben soll. Zum Projekt gehört ein Kommunikationskonzept, um die Geschichte des Mocmoc in der Öffentlichkeit einzuführen.


Nur leider ist die Bevölkerung von Romanshorn absolut nicht begeistert von der erfundenen Geschichte, wie die Stadt zu ihrem Namen gekommen sein soll und dem aufgezwungenen Wahrzeichen. Das Mocmoc hat zahlreiche negative Reaktionen hervorgerufen, deren Heftigkeit erstaunt. Podiumsdiskussionen zum Sinn des Fabelwesens finden statt und entrüstete Leserbriefe wurden geschrieben.

Die ganze Geschichte wurde sogar in den Spätnachrichten gebracht und hat schweizweit Schmunzeln und auch Kopfschütteln hervorgerufen.

Diese Begebenheit widerspiegelt auch die Schweiz: sich nicht eine fremde Identität aufdrücken lassen, die eigene Geschichte bewahren wollen, sich gegen Neues erst mal wehren.

Samstag, 31. Januar 2004

Entwicklungsgebiet

hexeswissblog

Zürich ist Entwicklungsgebiet, befindet die Neue Zürcher Zeitung, zumindestens, was die Hundehaltung angeht. Nur jeder zwölfte Bewohner hat einen vierpfotigen Fellteppich zu Hause und vielleicht liegt das auch ein wenig an der Art, wie in ihrer Stadt der Umgang mit Hunden reglementiert wird.

Entwicklungsarbeit will jetzt die "Fachmesse Hund 04" leisten. Immerhin: Während die Schweizer pro Jahr rund 1,5 Milliarden Franken für die Betreuung ihrer Vierbeiner ausgeben, kommen die weitaus zahlreicheren Deutschen nur auf 2,8 Milliarden Euro. Was sich vermutlich wiederrum aus den Preisen für Hundefutter in der Schweiz erklärt.

Freitag, 23. Januar 2004

GastgemurmelWunsch und Wirklichkeit

"Was haben Sie dahinten drin?" - "Einen Hund." - "Ist das Ihr Hund?" - "Ja." - "Gute Fahrt."

Das ist ja problemlos, mit dem Hund in der Schweiz, dachte ich bei meinem ersten Besuch in der Eidgenossenschaft. Zackig durchgewunken an der Grenze und hinten im Wagen quitschte es bereits vor freudiger Erwartung auf Berge an Pulverschnee. Der fand sich dann auch in Hundespass-fördernden Mengen, allerdings an vielen Stellen, an denen es wirklich nett ist, in Verbindung mit Herrchen-ärgernden Hinweisschildern.

hundeanleinen

Diese Art von Schildern hat es, wie der Schweiz-Besucher mit Hund dann schnell feststellt, ziemlich viele. Mal in freundlicher Text-, mal in weniger freundlicher Bilder-Variante.

hundeschild

Gemein ist diesen Schildern allerdings die Form des Umgangs, den schweizer Hundesitzer mit ihnen an den Tag legen. Bislang habe ich mich selbst schon für einen ziemlich eloquenten Verbotsschild-Missachter gehalten, wenn es um das Anleinen meines Hundes geht. In der Schweiz heisst es da Umdenken, denn hier scheint das Ignorieren behördlichen Spassverderbs bei Frauchen und Herrchen zum guten Ton zu gehören. Zwar werden die Hinterlassenschaften der Vierbeiner brav in bereitsstehende Plastiktüten eingesammelt und in spezielle BRAVO!-Eimer entsorgt - ihrer Freiheit beim Spaziergang aber werden Hunde offensichtlich nur höchst selten beraubt.

Daher keine Frage, wie auch heute Nachmittag die Wirklichkeit für den zugereisten Fellteppich aussah.

hexeimwald

Montag, 12. Januar 2004

Die Rigi ruft

"Kaiserwetter! Irgendwo da oben..." Wem am Fuße der Rigi nassgraues Nebelwetter bei Temperaturen um die Null Grad entgegenschlägt, braucht einen gewissen Optimismus, um dem Glauben zu schenken. Höchstens die vielen Menschen, die sich an der kleinen Talstation der weltältesten Zahnradbahn zusammandrängen, läßt einen hoffen, dass das versprochene Ausblickswetter noch irgendwo zu haben ist. Zwar klagen die Bergbahner der Riggi über rückläufige Besucherzahlen dank miserabler Wetterlagen, heimatlich verwurzelte Rigi-Besucher scheint das aber aus Erfahrung nicht abzuschrecken: "Oben ist es schön. Basta."

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Und schön ist, wenn der Optimismus recht behält. Dann fahren die beiden Bahn-Wagons irgendwo auf Drittel-Höhe aus dem Nebel heraus, der rund um die Rigi Vierwaldstätter- und Zugersee bedeckt. Fast schlagartig ist es da, das versprochene Kaiserwetter. Und belohnt die im Tal zugestiegenen Frostnasen auf dem Gipfel mit einer sagenhaften Aussicht.

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Auf der Spitze drängen sich dank der Ausblicke auf Bergmassive, Zug und Luzern nebst zugehöriger Talseen die Besucher aus aller Welt, die gerne bei der Betreuung mitgebrachter Hunde behilflich sind. Das Bergrestaurant setzt auf Selbstbedienung bei erstaunlich akzeptablen Preisen (bitte, wir sprechen über die Schweiz) und wen es im Winter zum Testen seiner Unfallversicherung reizt, der kann mit Schlitten einen Großteil der Strecke Richtung Bergstation zurücklegen.

Empfehlen Sie uns weiter. Aber gerne.

Und hier: das Bilder-Album von der Rigi.

Übersichts-Karten der Rigi findet man hier, eine gute Übersicht über die Angebote hier.

Sonntag, 11. Januar 2004

GastgemurmelWillkommen in der Schweiz

schweizerfahne

"Zorra hätte Dich gerne als Autor für das Swissblog. Hast du Lust? Du könntest Beiträge zur Schweiz aus Deiner Sicht verfassen. Kann alles mögliche sein."

Es gibt Einladungen, denen kann man nicht widerstehen. Und natürlich kann man alles mögliche schreiben über einen Land, dass seine Eidgenössinnen und Eidgenossen bereits in Artikel 24 der Verfassung darüber informiert, dass sie das Recht haben, "die Schweiz zu verlassen". In dem gut sieben Millionen Menschen in 216 verschiedenen Zeitungen blättern, die nur deswegen billiger sind als eine Tasse Kaffee, weil der Kaffee in diesem Land so teuer ist. In dem die schönsten und anspruchsvollsten Frauen der Welt leben, aber gleichzeitig eine Mutterschaftsversicherung mehrheitlich auf Ablehnung stößt. Und zwar die Sterne am Himmel fraglos denen anderen europäischer Staaten entsprechen, das Gras nach vereinzelter Ansicht aber mindestens so geil ist wie in Holland.

Das erste was sich ändert, wenn man zum ersten Mal in die Schweiz hineinfährt, ist der Inhalt des Geldbeutels. 40 Euro raus, ein großes Fünf-Franken-Stück hinein. Dafür kleben einem die wortkargen Grenzbeamten des Bundestsstaates mit moderner Verfassung die Autobahn-Vignette an die Scheibe und geben den Weg frei auf die zwei- und dreispurigen Asphaltgräben des Kantons Basel. Wer die Schweiz ohne ferienmäßiges Gepäck an kleinen Grenzübergängen verläßt, wird von deutschen Zöllnern gerne mit dem Blick bedacht, der jenen gilt, die besser leben und völlig legal Steuern sparen.

Die Schweizer machen das bester Fondue der Welt und streiten sich trotzdem um jeden Käse. Sie montieren vermutlich mehr Radarfallen als der Rest der Welt zusammen, bekommen aber dennoch ihr Budgetdefizit nicht in den Griff.

Genug Stoff also für Blogeinträge aus Gästesicht. Über die teuren Parkautomaten, die die Schweiz erstmalig in Europa eingeführt hat (zwei Jahre vor Schweden und Deutschland). Über den Wunsch einiger Basler, ""Europa-Stadt des Jammers" zu werden. Über die beste Schokolade auf Erden und Seeufer, an denen zwar Prominente, nicht aber Hunde spielen dürfen. Sie haben das Recht, in die Schweiz einzureisen. Machen Sie davon Gebrauch.

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