Die Berner Schule

Wer zur Touristenzeit im Kanton Zürich lebt, wird sicherlich feststellen, dass ein paar mehr Leute scheinbar sinnlos durch die Stadt irren. Aus meiner Schulzeit kann ich mich jedoch daran erinnern, dass die Sommer in Bern doch zumindest für Berner Verhältnisse etwas ungewöhnlich ausfielen. Wenn ich einmal nicht in Thun zur Schule sondern in Bern auf Arbeit gegangen bin, war diese Ungewöhnlichkeit doch recht heftig zu spüren.
Früh am Morgen verliess ich stets meine kleine Wohnung im Gwatt, um den Bus zum Bahnhof zu nehmen. Meist begegnete ich dabei eine Gruppe von Touristen, die den Thunersee suchten. Ich verwies sie auf die Wasseransammlung einige wenige Meter südlich meines Hauses. Die Touristen nach Spiez verwies ich auf den Bus. Natürlich versäumten es die Touristen im Bus nicht, mich zu fragen, ob das auch wirklich der Bus zum Bahnhof bzw. auf Steffisburg sei.
Am Bahnhof angelangt dirigierte ich dann meist die Touristen in Richtung Brig und Mailand auf die Züge nach Süden, die Touristen in Richtung Zürich und Luzern auf den Intercity nach Romanshorn, die Touristen nach Basel auf den Intercity in ebendieses, und die, die das Schloss Münsingen besichtigen wollten, verwies ich auf die S3 nach Fribourg.
Nachdem ich die Touristen im Zug davon überzeugt hatte, dass dieser Intercity wirklich auf Bern und Romanshorn fuhr und man auf Basel nur umsteigen musste, und nachdem ich einige 20min verteilt hatte, war ich dann doch froh als der Zug mit seinem üblichen speziellen Geräusch im Bahnhof Bern einrollte.
Schnell wies ich die Passagiere ihren Gleisen zu, dann eilte ich hinab in den RBS-Bahnhof um die Linie J nach Zollikofen nicht zu verpassen. Ich erklärte den Touristen, wo sich der Zytgloggi befunden hatte, wo sie das Bundeshuus finden, und wo die Matte. Ich wies darauf hin, dass die Aare am Besten über die Treppen zu erreichen sei. Dann sprang ich in Worblaufen aus dem Zug, verwies die Leute in alle Richtungen und hastete in das Swisscom- Gebäude. Endlich Ruhe.
Wenn ich dann nach erledigter Arbeit, abgespannt von einem harten Arbeitstag, wieder dieselbe Prozedur rückwärts erlebte, wusste ich nur noch eine Antwort:
"Je ne sais pas, je suis touriste!"

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