Tonnerre - 27. Sep, 19:54

Gründe

Mmm.
Zum grössten Teil ist das wirklich Angst und Ungewissheit, aber v.A. weil Ausländer gar nicht wirklich die Chance bekommen sich zu integrieren. (Ich meine, wenn sich selbst Inländer nicht ordentlich integrieren können nur weil sie Romands sind und in der Deutschschweiz leben, oder umgekehrt.)
Das Resultat sind viele kleine abgegrenzte Gruppen, die sich auch gar nicht an die anderen anpassen können/wollen/dürfen. Es existieren daher viele Vorurteile, da man vor einer (komplett) unbekannten Lebensart steht und Dinge wahrnimmt die man einfach nicht versteht. So etwas erzeugt Angst.
Ein gutes Beispiel aus der Gemeinde Mörschwil (SG): die Bewohner der Gemeinde wurden aufgerufen, die Asylbewerber stärker zu beobachten, da es in den letzten 10 Jahren mit den immerhin 14 Asylbewerbern doch tatsächlich zu zwei Zwischenfällen gekommen ist. Einmal wurde jemand in eine Schlägerei verwickelt, und ein anderes Mal wurde gar eine Pfanne aus dem Fenster geworfen.
(Vielleicht ist auch einer der Gründe für die harte Abgrenzung zwischen Allemands und Romands, dass die Romands sich in einer gewissen Weise Ausländern gegenüber offener zeigen, was man nicht nur an den Umfrageresultaten sieht. Man hat es auch nicht so mit Grenzen, denn es gibt eine Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich die absolut sinnlos ist. Die meisten Menschen, die dort leben, sind mit denen auf der anderen Seite verwandt, und somit macht diese Grenze für sie so überhaupt keinen Sinn, im Sinne von gar keinen Sinn.)
Der Kanton Fribourg sucht einen neuen Consultant für Ausländerintegration und Rassismusbekämpfung... Meine Bewerbung haben sie.

Zorra - 27. Sep, 20:05

Integration ist ein schwieriges Thema.

Ich bin in einem Kaff aufgewachsen, da hatte es ganz viele Ausländer. Demzufolge habe ich mit vielen Ausländern die Schulbank gedrückt. Zu meiner Zeit handelte es sich bei den Ausländern zum grössten Teil um Italiener und Spanier. Wir kamen alle ganz gut miteinander zu Recht. Meine beste Freundin war halb Italienerin halb Spanierin. Ihre Eltern lebten 20 Jahre in der Schweiz und sprachen noch immer gebrochen Deutsch (wirklich sehr schlecht). Und warum? Weil sie immer sagten, nächstes Jahr gehen wir wieder zurück, und das über 20 Jahre lang. Die Eltern verkehrten nur unter Spaniern und Italienern. Einmal ging die Mutter meiner Freundin mit meiner Mutter aus. Aber da trafen Welten aufeinander.

Wie's heute ist weiss ich nicht, ich sehe hier in Spanien, dass die Ausländer (auch teilweise ich) unter sich bleiben. Sie werden von den Spaniern nicht akzeptiert, da auch Spanier sehr rassistisch sind.
Tonnerre - 27. Sep, 20:25

Ebendrum

IMHO kommt es auch etwas mit darauf an, wie sehr man denjenigen etwas anbietet wofür es sich lohnt, sich zu integrieren. Ein guter Job und ein festes Gehalt sind kein Anstoss, sich zu integrieren, denn das bekommt man auch so.
Die "Alten" zu bekehren ist zumindest ein sehr schwieriges Unterfangen. Meist haben sie eine feste Meinung der ganzen Sache die ihr Leben lang ausgereicht hat, und somit ist es unwahrscheinlich, dass sie sich von einem anderen, der sowieso nicht auf ihrer Seite steht, erzählen liessen, dass ihr Weltbild schief hängt. Dort braucht es schon gewichtigere Massnahmen.
Anders ist es bekanntermassen bei jungen Leuten. Man bekommt sie v.A. über die Universitäten an einen Tisch, in den Berufsschulen klappt das unerklärlicherweise weniger gut, doch auch mit Konzerten, Veranstaltungen und Treffen kann man sie dazu bringen sich näher kennenzulernen und einander zu verstehen. Dann ist der grösste Integrationsschritt getan, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich dann noch abgrenzen.
Bambi - 27. Sep, 20:48

Mit den Augen eines Ausländers:

Die Schweizer unterscheiden sehr stark zwischen den "guten" und den "weniger guten Ausländern". Oder vielleicht auch weniger polemisch ausgedrückt zwischen den integrationswilligen und den weniger integrationswilligen Ausländern. Diesem Unterschied wurde in dieser Abstimmung auch wenig Rechnung getragen und so konnte gerade die SVP gewisse Ängste natürlich sehr gut schüren. Wäre es um die Italiener und Franzosen und vielleicht auch die Deutschen gegangen, so wäre das doch recht knappe Ergebnis vermutlich anders ausgefallen. Ob es fair ist oder nicht, als Ausländer "dieser Kategorie" bekommst du hier auch recht leicht eine Wohnung, einen Job, als Türke oder Nigerianer hast du es hier sicher schwerer. Aber: In anderen Ländern wäre das Ergebnis einer solchen Abstimmung vermutlich auch nicht anders - nur gibt es da eben diese Volksabstimmungen nicht. Und gewisse Mentalitätsunterschiede zwischen den einzelnen Volksgruppen gibt es sicher - auch in Deutschland sind Italiener, Spanier und Jugoslawen der ersten Generation längst integriert. Heute wird man unter der Italienern, die einst als Gastarbeiter kamen, kaum noch jemanden finden, der nicht perfekt Deutsch spricht - z.B. unter den türkischen Mitbewohnern ist das in der Elterngeneration (zumindest bei den Frauen) durchaus keine Ausnahme.
pipistrella - 28. Sep, 11:54

interessant

dass du die Italiener als integrationswillig "deklarierst". Im SF DRS haben sie am Sonntag eine Reportage gezeigt über die Schwarzenbach-Initiative anno 1970. Damals waren die Italiener, die als Saisonniers in die Schweiz kamen, die Buh-Männer. Und die Leute, die da auf der Strasse interviewt wurden, sagten dieselben Sachen über die Italiener, wie heute über die Balkan-Menschen gesagt wird, von wegen laut und man wolle denen nicht in Gruppen begegnen, der einzelne allein sei ja ganz anständig etc.
Ich denke, eine Integration kann nicht von heute auf morgen passieren, schon gar nicht, wenn die kulturellen Unterschiede sehr gross sind, das braucht mind. 1 Generation. Und diese Zeit wird diesen Menschen hier oft leider nicht zugestanden. Ich bin sicher in 20 Jahren redet kein Mensch mehr über Jugoslaven oder Türken, sondern dann werden es wieder andere Bevölkerungsgruppen sein, die "in Massen" kommen werden und den Menschen hier Angst machen.

Übrigens kenn ich noch sehr viele Italiener, die nicht sehr gut deutsch sprechen, obwohl sie schon seit Jahren hier wohnen und auch hier arbeiten. Trotzdem gelten sie als integriert.
gamine - 28. Sep, 14:28

mein schwager ist italiener. mit permis c. das heisst so in etwa er kann alles, aussert politisch tätig werden und muss nicht zur armee. die tochter von ihm und meiner schwester ist doppelbürgerin. er will gar nicht schweizer werden. er hat ja den eu pass, der ist ihm auch wichtig. ich kenne andere 2.generationen ausländer, die haben sich erfolgreich einbürgern lassen. und das hat geklappt. ich weiss von einem sportler, der sich einbürgern lassen wollte, und abgewiesen wurde. er hat sich nicht für politik interessiert und somit keine ahnung gehabt vom schweizer system.
von andern ländern weiss ich nicht, wie sich ausländer dort einbürgern lassen können. ich weiss auch nicht genau, in welchen ländern wir uns als schweizer wie leicht einbürgern lassen können.
ausserdem find ich es eigentlich sehr interessant, gibt es andere länder, andere sitten, andere traditionen. ich finde es eigentlich als verlust der vielfalt, gibt es keine liren und peseten und franc mehr. ohne dabei auf der anderen seite gegen die eu zu sein. bei den indianern haben sich die stämme getrennt und sind eigener wege gegangen, wenn man sich nicht einig war. dies ist ursprüngliche demokratie. in rücksichtnahme vor der meinung der individuen. leider haben wir heutzutage zuwenig platz auf der erde dafür.
ich reise gerne. hab auch freunde und bekannte, die nicht schweizer sind. jedoch für eine beziehung und ganz enge freunde bin ich froh, wenn ich mit leuten zusammen bin, die meine mentalität und meinen hintergrund haben. aus dem einfachen grund, weil wir die selbe sprache sprechen. die selben nuancen verstehen. in diversem sinn jetzt.
es gibt so viele verschiedenen blickwinkel und ansätze, dass ich mir keine eindeutige meinung bilden kann. integration ist sehr wichtig. individualismus aber auch. manchmal hab ich aber das gefühl, die schweiz macht sich ein schlechtes gewissen ob fragen, welche in anderen ländern nie ein thema wären.
Tonnerre - 29. Sep, 11:05

Einbürgern vs. Meinungsbildung

Etwa ein Viertel meiner Kollegen wohnt in der Schweiz. Ein weiteres Fünftel wohnt in Frankreich, eben nebendran. (Machen wir uns nichts vor: Romands und Franzosen sind verwandt. Das zeigt auch mein eigener französischer Familienstamm.) Der Rest wohnt in den USA, in Kanada, in Australien, ...
Wie bereits erwähnt kennen v.A. die Leute die an der Grenze CH-FR leben Grenzen nur als etwas willkürliches, sinnloses. Ich gehöre dazu. Grenzen sind etwas, was sich Menschen schaffen. Etwas ungerechtes, was Menschen, Familien, Liebende trennt.
IMO gehört dazu, eine eigene Meinugn zu haben, nicht, in einem eigenen Land zu leben. (Dass die Schweiz nicht EU-Mitglied werden kann, ist eine andere Diskussion. Das Problem ist, dass man sich auf einen globalen Demokratiestandpunkt einigen müsste, und da der schweizerische der einzig vertretbare wäre, wird das wohl nicht passieren.) Die Leute können ihre anderen Sitten und anderen Traditionen auch ohne andere Länder leben. Wir sind doch hier ein perfektes Beispiel dazu, gibt es doch keine Grenze zwischen unseren vielen verschiedenen Sitten.
IOW ist es völlig egal, aus welchem Land man kommt oder in welches Land man geht. Zumindest theoretisch.

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